[Film] Fifty Shades of Grey (Review)

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Wer mich kennt weiß, dass ich den FSOG-Hype gemieden habe wie die Pest. Ich habe kein einziges der Bücher gelesen und mich hat das Thema generell nicht besonders interessiert. Die Story wurde gehypet als Sado-Maso-Story für Hausfrauen und nachdem es hier damals auch ein paar Meinungen dazu gab, die weniger begeistert waren, war das Thema für mich erledigt. Ich hatte noch nicht mal das leiseste Interesse daran, die Bücher zu lesen.
Nun kam vor einigen Wochen meine Schwester (die im Gegensatz zu mir die Bücher gelesen hat und sie richtig gut fand) um die Ecke und fragte, ob ich wohl mit ihr ins Kino gehen würde. Und weil man das unter Schwestern nunmal so macht, habe ich natürlich gesagt, ich begleite sie. Ich habe mir sogar den Trailer angesehen sowie ein Interview der beiden Hauptdarsteller und empfand die Story trotzdem als seicht und habe mir nichts davon versprochen.

WER KEINE WEITEREN INFOS ZUR STORY HABEN MÖCHTE, SOLLTE NICHT WEITER LESEN. SPOILERALARM!!!

So saß ich also heute Abend im Kino ohne große Hoffnungen, einen mehr als durchschnittlichen Film zu sehen. Die Story beginnt ganz nett, typische Liebesgeschichte. Die beiden Darsteller fand ich auf Anhieb nicht schlecht, nachdem man ja nun schon seit 2 Tagen überall nur hört und liest, wie schlecht vor allem Dakota Johnson spielen soll. Ich habe mit einem rapiden Abfall der Handlung gerechnet, sobald SM ins Spiel kommt.
Und da endet jeder Nährwert dessen, was ich vorher von dem Buch gehört habe. Nach dem Anschauen des Films verstehe ich, warum jemand, der eine SM-Story erwartet, enttäuscht ist. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass jemand, der eine SM-Story erwartet hat, gar nicht in der Lage ist, zu begreifen, worum es in der Geschichte im Kern eigentlich geht.

Christian Grey ist der klassische Tortured Hero, aber so richtig. Er hat richtigen Mist in seiner frühen Kindheit erlebt und man merkt ihm absolut an und kauft ihm ab, dass es ihn quält, die Schmerzen, die er innerlich leidet, in seiner SM-Praxis ausdrücken zu müssen. Das hat ihn früher mit anderen Frauen nicht gestört, aber es stört ihn bei Ana, weil sie ihm mehr bedeutet. Und diesen inneren Konflikt bringt Jamie Dornan extrem gut rüber, vor allem mit seiner Mimik. Teilweise drückt er wenig Inhalt über Text aus, sondern sagt tatsächlich mehr über sein Gesicht und vor allem seine Augen. Den SM-Anteil der Geschichte für das Marketing zu nutzen empfinde ich hier schon als fatal, denn seine Vorliebe für SM ist nur ein Symptom für die Qualen, die er leidet. Das schaut man sich nicht an, weil man es geil findet, sondern er tut einem wirklich ab einem gewissen Punkt der Story irgendwie leid, weil diese Qual und alles, was damit zusammen hängt (also auch das SM) ihn immer auf Distanz zu Ana hält.

Ana habe ich mir nach allem, was ich über das Buch gehört hatte, ganz anders vorgestellt. Vor allem nach den „Shades of Grey vermittelt Frauen, es wäre in Ordnung, sich zu unterwerfen“-Hasstiraden auf Facebook und in der Presse hatte ich erwartet, dass sie tatsächlich ein graues Mäuschen ist, das sich anfangs zwar wehrt gegen Christians Versuche, sie zu dominieren, dann aber einknickt und alles mit sich machen lässt. Aber das ist ja gar nicht der Fall! Es ist im Film (und wie ich von meiner Schwester hörte, auch im Buch) tatsächlich so, dass sie das Ganze ausprobiert (auf die softe Art, aber nachvollziehbar), sich aber NIE wirklich unterwirft. Bis zum Ende des Films hat sie den von Christian vorgelegten Vertrag nicht unterschrieben. Für mich zeigt die Geschichte eher, dass sich eine Frau nicht um jeden Preis verbiegen lässt, nur weil sie einen Mann liebt und NICHT das Gegenteil. Ich bin massiv irritiert, wie man diese Geschichte so interpretieren kann, als wäre sie unterwürfig. Dementsprechend war ich auch davon, dass sie ein taffes Mädel ist, positiv überrascht.

Die Chemie zwischen den beiden Darstellern kommt im Trailer überhaupt nicht rüber, im Film dafür umso mehr. Vielleicht war es hilfreich, dass ich ganz ohne Erwartungen ins Kino gegangen bin, aber umso überraschter bin ich, dass ich den Film richtig gut fand. Die Dynamik zwischen den beiden stimmt einfach. Man kauft ihnen die Anziehung zu jeder Zeit ab, die Beziehung entwickelt sich schnell, aber intensiv und nicht so, dass es einem übertrieben vorkommt. Christian Grey ist nun mal ein Mann, der weiß was er will und es sich holt. Umso unterhaltsamer fand ich, dass es Ana trotz ihrer Unerfahrenheit so grandios gelingt, ihn auszubremsen wenn sie das für richtig hält. Auch das Ende (das ich nicht verrate für die, die das Buch nicht kennen) erscheint mir absolut logisch im Gesamtzusammenhang der Geschichte. Einige Szenen, wo ich mal herzlich lachen konnte, waren sogar auch dabei. Aber genauso Szenen, wo man richtig merkt, dass Christian aus seiner Haut raus wollen würde, wenn er nur könnte, aber es nicht schafft (Tortured Hero eben).

Fazit

Von einer FSOG-Verweigerin an alle: Tatsächlich eine absolute Empfehlung von mir! Wer die Möglichkeit hat, sollte es sich wirklich im Kino ansehen, da kommt vieles intensiver rüber als es später auf dem Fernseher sein kann.

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