[Erziehung] Tagesmutter oder Kindergarten?

Ich bin eine Mama, die tatsächlich nach dem ersten Lebensjahr ihres Kindes wieder arbeiten ging. Dies lässt sich grundsätzlich gut mit meinem Beruf verbinden, denn ich kann mein Kind an den allermeisten Tagen um 14 Uhr abholen. Nachdem zum damaligen Zeitpunkt noch kein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Einjährige in meinem Bundesland bestand, mussten wir auf eine Tagesmutter ausweichen.

Ich war zunächst nicht begeistert von dieser Aussicht, denn ich stellte mir die Betreuung in einem „überwachten“ Rahmen einfach sicherer vor, als in einem Privathaushalt bei quasi Fremden.
Nun gab es da aber, wie bereits erwähnt, keine andere Möglichkeit, als entweder zu Hause zu bleiben oder eine Tagesmutter in Anspruch zu nehmen. Zum damaligen Zeitpunkt war ich froh, über jede Erfahrung, die mir mitgeteilt wurde und deshalb möchte ich an dieser Stelle einmal die Grundsätzlichkeiten beider Betreuungsmöglichkeiten gegenüber stellen. Dabei gehe ich auf den Kostenpunkt kaum ein, weil der in jedem Bundesland anders geregelt wird und deshalb nebensächlich ist.

Die Tagesmutter

Grundsätzlich betreut eine Tagesmutter bis zu fünf Kinder gleichzeitig. In Einzelfällen können es auch mal mehr sein, in unserem Fall waren es nie mehr und selten tatsächlich mal fünf, eher weniger. Im Normalfall betreut die Tagesmutter die Kinder bei sich zu Hause, das heißt, man bringt sie morgens vor der Arbeit dort hin. In Einzelfällen habe ich auch schon mitbekommen, dass die Tagesmutter in den Haushalt des Kindes kam, jedoch wird sich das für die meisten Tagesmütter schlicht nicht rentieren, denn so können sie natürlich nur die Kinder dieses einen Haushalts betreuen. Wenn sie selbst Mutter noch jüngerer Kinder ist, ist dies auch ausgeschlossen.

Unsere Tagesmutter hat mit mir zunächst die rechtlichen Punkte durch gesprochen und wir haben dann beide einen Vertrag abgesprochen, der uns gegenseitig für alle Fälle abgesichert hätte. Natürlich ist es hier besonders wichtig, dass die Tagesmutter einem selbst sympathisch ist. Man lässt sein einjähriges Kind, das noch nicht richtig sprechen kann, nirgends, wo man das Gefühl hat, es ist schlecht aufgehoben. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle auch anmerken, dass man gerade deshalb immer kritisch ist, was Betreuungspersonen angeht. Mir kam und kommt immer noch jeder „spanisch“ vor, dem ich mein Kind anvertraue. Da muss man wirklich reflektieren können, ob das daran liegt, dass die Chemie einfach nicht stimmt oder daran, dass man selbst Bedenken hat. Und die hat man einfach, das ist auch gut und richtig so.

Wichtig ist vor allem, dass die Tagesmutter einen Raum hat, in dem das Kind in Ruhe schlafen kann (mittags), während die anderen Kinder spielen. Wir hatten eine wirklich gute Tagesmutter, die zwar lieb, aber nicht zu lieb war (im Sinne von: lässt nicht alles durchgehen)und selbst schon vier eigene Kinder im jugendlichen Alter hatte.

Grundsätzlich ist der absolute Vorteil einer Tagesmutter, dass die Gruppe der Kinder überschaubar ist. Niemand geht unter und das Umfeld ist natürlich in einem Privathaushalt familiär. Man sollte unbedingt auf sein eigenes Kind achten. So kleine Kinder werfen einwandfrei zurück, ob sie sich irgendwo wohl fühlen oder nicht. Zudem ist die Tagesmutter zeitlich flexibler als der Kindergarten. Der hat feste Öffnungszeiten, die Tagesmutter nicht. Es war für sie auch in Ordnung, wenn ich mein Kind schon um 7 Uhr morgens vorbei gebracht habe und wenn ich mittags früher oder später kam, um ihn abzuholen, war das auch in Ordnung. Vor allem empfand ich es als positiv, dass mein Kind so eine feste Bezugsperson in diesem Umfeld hatte, nicht mehrere wie im Kindergarten.

Der Kindergarten

Mit 2 Jahren wechselte unser Kind in den Kindergarten. Nicht auf eigenen Wunsch, es ist schlicht in unserem Bundesland so geregelt. Durch einen Umzug haben wir nun auch den Unterschied zwischen einem kleinen, ländlichen Kiga und einem größeren kennengelernt.

Grundsätzlich sollte man die Eingewöhnung, sowohl bei der Tagesmutter  als auch im Kindergarten ernst nehmen. Zu empfehlen ist hier das Berliner Modell, bei dem die Zeit langsam gesteigert wird und auch die Mutter bzw. der Vater erst dann für eine Weile das Haus/die Gruppe verlässt, wenn das Kind sich offensichtlich wohlfühlt. Im Kindergarten hat das Kind andere Möglichkeiten der Interaktion mit Gleichaltrigen (die Auswahl ist einfach größer), geht aber – je nach Gruppengröße – auch eher im Getümmel unter. Hier hatten wir einen Kindergarten, in dem in der Nestgruppe (2-3-jährige Kinder) 10 Kinder mit zwei bzw. teilweise drei Erzieherinnen waren und einen, in dem die Nestgruppe bis zum Limit von 25 Kindern ausgereizt wurde, bei einer Betreuung von zwei Erzieherinnen (an manchen Tagen drei). Dass die zweite Variante nicht optimal ist, erklärt sich von selbst. Der Unterschied ist natürlich deutlich spürbar. Ich rate tatsächlich, sich den Kindergarten vorher genau anzusehen. In unserem Fall gibt es in unserem aktuellen Wohnort zwei Kindergärten, die beide bis zum Limit ausgelastet sind. Leider hat man in einem solchen Fall wenig Ausweichmöglichkeiten. Wenn man die Wahl hat, sollte man immer den Kindergarten mit kleineren Gruppen und einem möglichst großzügigen Außengelände wählen.

Es lohnt sich außerdem, nachzufragen, ob ein bestimmtes pädagogisches Konzept verfolgt wird. Viele Kindergärten bieten Frühförderung im musischen oder fremdsprachlichen Bereich an. Sollten gewisse pädagogische Konzepte unbekannt sein, ruhig nachfragen, aber auch zu hause noch einmal recherchieren. Und vor allem überlegen, ob dies zum eigenen Kind passt. Nicht alles, was in der Theorie gut klingt, passt auch zum eigenen Nachwuchs.

Die Betreuung im Kindergarten ist naturgemäß reglementierter als bei der Tagesmutter, da es sich um eine öffentliche Einrichtung handelt. Im Normalfall sind die Erzieher sehr darauf bedacht, mit den Eltern in ständigem Gespräch über eventuelle Probleme oder Auffälligkeiten zu bleiben. Natürlich ist der „Kuschelfaktor“ hier nicht mehr so hoch wie bei einer Tagesmutter. Ich erlebe Erzieherinnen zumeist als herzlich/freundlich, aber bestimmt. Selten musste ich eine als distanziert beschreiben. Im besten Fall findet das eigene Kind eine spezielle Bezugsperson, an der es sich orientieren kann. Man darf nicht unterschätzen, wie sehr aus diesem Grund auch ein Kindergartenwechsel ein Kind mitnehmen kann.

Ob die Zwerge Mittagessen bekommen oder es mitbringen müssen, welche Regeln für Sauberkeit etc. gelten, ist von Kita zu Kita verschieden.

Fazit

Nachdem ich beides aus Sicht einer Mutter erlebt habe, hat jede der Möglichkeiten ihre Vor- und Nachteile. Auch unter den Tagesmüttern gibt es schwarze Schafe, aber wenn man eine engagierte erwischt, ist es super für das Kind. Grundsätzlich würde ich persönlich kein Kind vor dem 2. Geburtstag in einem Kindergarten geben. Hier ist meines Erachtens die Tagesmutter einfach noch viel sinnvoller, weil die wirklich die Häuslichkeit und das Familiäre  ermöglicht, das das eigene Kind schon von daheim kennt.

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Ein Gedanke zu “[Erziehung] Tagesmutter oder Kindergarten?

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