[Literatur] Selfpublishing und Anna Katmore

Ich lese nun bereits seit 15 Jahren Literatur durch alle Sparten. Habe bereits für Verlage rezensiert, war eine Zeitlang süchtig nach paranormalen Romanen, historischen Romanen, zeitgenössischen Romanen. Da ich im Studium ausschließlich anspruchsvolle Literatur lesen musste, war es mir immer schon wichtig, in meiner Freizeit einfach gut unterhalten zu werden. Dabei habe ich mich auch gern bilden lassen (z.B. durch historische Romane) oder auch gern bis ins Mark gefürchtet (bei Thrillern) aber vor allem haben mich schon immer Liebesgeschichten fasziniert. Vielleicht bediene ich damit das Klischee, eine typische Frau zu sein, aber ich finde, dass es nichts vielschichtigeres als die Liebe gibt und immerhin ist es das Gefühl, das für das größte Glück und Unglück in unserem Leben verantwortlich ist.

So habe ich mich natürlich auch immer schon gern in Bücherforen im Internet herum getrieben und dabei in einem speziellen großen Forum öfter sehr direkte Angriffe auf Menschen erlebt, die darum baten, man möge ihre Texte lesen oder unsicher nachfragten, wie ihre Bücher bekannt werden könnten. Allerdings waren sie (noch) keine Verlagsautoren und die meisten von ihnen wurden auch niemals welche. Aber es war schon damals für mich erschreckend, zu erkennen, dass man den geschriebenen Worten eines Menschen, der keinen Verlag gefunden hatte, Qualität absprach.
So habe ich auch die ersten zarten Blüten des Selfpublishing miterlebt. Dies gibt einfach jedem die Möglichkeit, seine Bücher zu veröffentlichen, ohne den Umweg über einen Verlag zu gehen. In den ersten Jahren wurden solche Autoren nicht mal als Autoren betrachtet und allgemein herrschte die Meinung vor, dass ihr Geschreibsel natürlich nicht gut sein könne, weil sie ja keinen Verlag dafür gefunden hatten.

Dementsprechend dauerte es auch recht lange, bis ich eher durch einen Zufall an ein auf diesem Weg verlegtes Buch kam. Ich hatte gerade zum ersten Mal einen Kindle (einen E-Book-Reader) gekauft und stöberte im Internet. Dabei fiel mir der Name Piper Shelly auf, deren Roman „Teamwechsel“ genau in mein Beuteschema zum damaligen Zeitpunkt passte, denn es war ein Young Adult-Roman über die erste Liebe und die Tücken des Erwachsenwerdens. Allerdings registrierte ich gar nicht, dass es sich hierbei um ein selbst verlegtes Buch handelte. Vielmehr nahm ich wegen des Namens der Autorin an, sie sei eine in den USA etablierte Schriftstellerin, deren Buch zu Werbezwecken einfach günstiger bei Amazon angeboten wurde. Also lud ich es herunter und begann, es zu lesen. Erst als ich danach – völlig geflasht, weil mir die Geschichte so gut gefallen hatte – im Internet nach einem weiteren Band stöberte, fielen mir zwei Dinge auf:
1. Hier handelte es sich um eine deutsche Autorin (genau genommen um eine Österreicherin), deren Pseudonym lediglich amerikanisch klang und die ihre Bücher immer zuerst auf englisch veröffentlicht.
2. Dieses Buch war selbst verlegt!

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Teamwechsel (Band 1) | This Girl is mine (Band 2)

Ja hallo! Wie konnte mir das denn passieren? In zweierlei Hinsicht war das ein Aha-Erlebnis für mich. Zum einen hatte ich deutsche Autoren bis dahin gemieden, denn ihr Schreibstil sagte mir zu oft nicht zu und es ist auch heute noch so, dass mir Deutschland als Schauplatz nicht so gut gefällt. Also hatte ich deutschsprachige Autoren regelrecht abgeschrieben. Und jetzt hatte ich gerade ein Buch gelesen, das ich toll fand und das eine Österreicherin geschrieben haben soll?
Zum anderen wurde mir in diesem Moment zum ersten Mal klar, dass Selfpublishing nicht notwendigerweise schlechtes Geschreibsel bedeuten muss. Und mal ehrlich, wie oft hatten mir regulär über den Verlag erschienene Bücher nicht gefallen, also war es doch nur logisch, dass auch bei den Selfpublishern welche dabei sein müssten, die meinen Geschmack trafen und solche, die es nicht tun würden.

Danach hat es ein wenig gedauert, bis ich irgendwann begriffen habe, dass der Grund, warum nie ein neues Buch von Piper Shelly erschien der war, dass die Autorin ihr Pseudonym geändert hatte und sich jetzt Anna Katmore nannte.
Seitdem lese ich ihre Bücher besonders gern, vor allem die Romane um das Grover Beach Team. Und ja, das sind Young Adult Bücher, aber ich finde es wirklich schön, durch sie an diese tolle Zeit der ersten Liebe und an Freundschaften erinnert zu werden, bei denen es noch nicht wichtig war, wie viel Geld man im Monat verdient oder welches Auto man fährt.

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Katastrophe mit Kirschgeschmack (Band 3) | Jungs, die nach Kirschen schmecken (Band 4)

Und so habe ich mit Anna Katmore einen echten Goldschatz unter den Selfpublishern entdeckt. Ihre Bücher sind natürlich Autobuys, müssen also gekauft werden. Danach habe ich noch andere Selfpublisher ausprobiert. Darunter einige, die ich ebenfalls nach wie vor gerne lese und deren Neuerscheinungen ich genauso entgegen fiebere wie denen aus dem Buchhandel. Aber natürlich auch solche, die mir nicht gefallen haben. Nicht selten sind mir Bücher untergekommen, die vor Rechtschreibfehlern nur so gestrotzt haben oder deren Plot einfach daneben war. Man muss ein wenig stöbern, aber dann kann man bei den Selfpublishern auch richtige Perlen finden, so wie ich mit Anna Katmores Büchern.

Wer Adaptionen bekannter Geschichten mag, sollte sich auch ihre Nimmerland-Serie näher ansehen, die im Universum von Peter Pan und Captain Hook spielt, der Geschichte aber ein völlig neues Gewand verleiht. Meine Rezension zu diesem Buch folgt in Kürze:

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Der zweite Band, „Die Rache des Pan“, erscheint noch im April 2015.

Also traut euch auch an Selfpublisher ran. Seid nicht voreingenommen, sondern offen für alle, die sich die Zeit nehmen, eine Geschichte zu Papier zu bringen. Da gibt es so einiges zu entdecken!

Die Grover Beach Team-Serie:
1) Teamwechsel
2) This Girl is mine (Teamwechsel aus Ryans Sicht)
3) Katastrophe mit Kirschgeschmack
4) Jungs, die nach Kirschen schmecken
5) Verknallt hoch 2 (noch nicht erschienen)

Weitere Informationen findet ihr auf der Homepage von Anna Katmore.

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