[Erziehung] Helikoptermütter oder: Wie ich mein Kind NICHT auf’s Leben vorbereite

Ist es nicht schön, dass in der heutigen Zeit absolut jeder eine Petition starten kann, die bei genug Teilnehmern an den Bundestag geschickt wird? Natürlich, herzallerliebst…
Grund für diesen Artikel ist eine vor wenigen Tagen gestartete Petition, die verlangt, die Bundesjugendspiele abzuschaffen (nachzulesen HIER).

Im Gegensatz zu den momentan knapp 16.000 Unterstützern dieser Petition halte ich dieses Ansinnen für wenig sinnvoll und frage mich einmal mehr, woher sogenannte Helikoptermütter überhaupt kommen. Zunächst mal zu Begrifflichkeit: Helikoptermütter sind solche, die bestrebt sind, ihren Kindern jegliche Probleme aus dem Weg zu schaffen in der Überzeugung, ihnen so das Leben leichter machen und ihre Entwicklung fördern zu können. Was grundsätzlich sehr nett klingt, hat nur einen Haken: Es funktioniert nicht! Leider habe ich das schon mehrfach in meinem Beruf erlebt und lehne es daher selbst als Mutter ab, meinem Kind jeden Stein aus dem Weg zu räumen.

Gehen wir auf ein paar Argumente der Petition ein.
– Die Bundesjugendspiele sind veraltet.
Mag sein, es gibt sie schon seit vielen Jahren, auch wir mussten als Kinder antreten. Der sportliche Wettkampf als solcher hat aber auch eine lange Tradition und durchaus pädagogische Berechtigung. Er fordert junge Menschen dazu heraus, das Beste aus sich heraus zu holen, auch mal an ihre Grenzen zu gehen und letztendlich vermittelt er bewegungsfaulen Schülern im besten Fall das Gefühl, dass es Spaß machen kann, sich zu bewegen.

– Kinder, die nur eine Teilnehmerurkunde bekommen, fühlen sich gedemütigt.
Als jemand, der selbst meist eine Teilnehmerurkunde bekommen hat, kann ich das nicht bestätigen! Und hier steht und fällt sie Art, wie ein Kind mit so etwas umgeht mit dem, was die Eltern ihm vermittelt haben. Wenn man seinem Kind bisher das Leben so angenehm wie möglich gemacht hat und sowieso grundsätzlich in der Schule aufläuft, wenn das eigene Kind Probleme hat, dann wird es die Teilnehmerurkunde natürlich als Niederlage und Demütigung empfinden. Hier ist es dringend nötig, seinem Kind eben nicht zu vermitteln: „Dass du gedemütigt wurdest ist nicht in Ordnung, ich werde mich für dich einsetzen“, sondern es wäre wichtiger zu sagen: „Es ist nicht schlimm, wenn du etwas nicht überragend gut kannst, dafür hast du andere Stärken. Dies und das kannst du besonders gut und da haben andere Kinder sicher Probleme. Es ist in Ordnung, nicht alles super gut zu machen.“
Mir scheint, viele Eltern legen es tatsächlich darauf an, ihre Kinder regelrecht lebensunfähig zu machen, damit sie auch mit 40 Jahren noch abhängig von ihnen sind.

– Bundesjugendspiele sollten freiwillig sein.
Eine schöne Idee, der ich grundsätzlich nicht abgeneigt wäre. Das Problem ist die Realität: Es würden kaum Schüler mitmachen und es ist für eine Schule organisatorisch nicht zu leisten, gleichzeitig Bundesjugendspiele für die Kinder anzubieten, die teilnehmen möchten und andererseits Unterricht für die, die nicht möchten. So weit muss man auch denken können, wenn man die Schule nur von außen sieht.
Sport abzuschaffen, weil Kinder unsportlich sind ist paradox! Wir schaffen ja auch trotz sinkender Schulleistung nicht die Spielekonsolen ab, obwohl das dringender nötig wäre.

Zuletzt räume ich ein, dass der Spaß an den Bundesjugendspielen mit Sicherheit auch mit den teilnehmenden Lehrern steht und fällt. Wenn – wie in der Petition behauptet – Ergebnisse vor der Klasse laut vorgelesen werden, ist das natürlich für das Kind peinlich. Mir selbst ist vergleichbares in 13 Jahren Schulbildung auf drei verschiedenen Schulen nie untergekommen und auch als Erwachsene habe ich selbiges nie gesehen. Es wird also definitiv nicht auf allen Schulen bzw. bei allen Lehrern so verfahren.

Wir sollten uns überlegen, welche Erwachsenen unsere Kinder werden sollen. Ich entscheide mich dafür, dass mein Kind mit seinen Schwächen tolerant umgehen und seine Stärken zu schätzen wissen soll. Vor allem entscheide ich mich dafür, meinem Kind zu vermitteln, dass er sein Bestes geben soll, auch wenn es manchmal schwer ist. Er wird im Leben öfter an seine Grenzen stoßen und ich bin nicht immer da, um zu trösten oder das für ihn zu regeln. Er MUSS das selbst lernen.

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