[Nachgedacht] Lesen ist wie atmen

„Wir lesen, um zu begreifen, wer wir sind und wo wir sind. Lesen ist wie atmen.“
– Alberto Manguel

In meinem Beruf – den ich mir nur ganz vielleicht gerade deshalb ausgesucht habe – geht es neben vielen anderen Dingen darum, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern. Es ist schwer, jemandem, der so gar nichts damit anfangen kann, begreiflich zu machen, was es mir bedeutet, zu lesen. Im Grunde ist es zunächst mal ein Hobby. Aber dann ist es auch viel mehr für mich.

Ich erinnere mich an das erste Buch, das ich gelesen habe, und zwar gleich mehrmals. „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner. Wer diese Geschichte einmal in den Händen hielt, weiß, dass es nicht gerade ein dünnes Kinderbuch ist, aber ganz ehrlich: Es ist bezaubernd! Voller kindlicher Naivität und Abenteuerlust in einer Welt der Erwachsenen, die versuchen, das Beste für einen zu tun, ohne immer genau hinzusehen, ob man das nicht in dem Kind selbst finden könnte. Und schon damals war mir klar, dass ich hier etwas ganz Besonderes gefunden habe. Ich habe die Möglichkeit entdeckt, verschiedene Leben zu führen, ohne mein eigenes verlassen zu müssen.

Lesen ist für Menschen, denen ein Leben nicht genug ist.

Und so begleiten mich die Bücher seitdem. Seit ich 16 Jahre alt war, lese ich jeden Tag. Ich lese, wenn ich fröhlich bin, weil ich dann Spaß daran habe, in eine andere Welt abzutauchen. Ich lese, wenn ich traurig bin, weil ich so vergessen kann, was mich runter zieht. Ich entspanne mich beim Lesen und ich liebe gute Geschichten. Nicht etwa Kafka oder Jelinek – obwohl ich die im Zuge meiner Ausbildung lesen musste. Nein, ich lese was ich will. Trivialliteratur. Nur das, was mich interessiert, was mich fesselt, was mich berührt. Und warum auch nicht? Auf meiner Gelesen-Liste steht genug hochtrabende Literatur. Die wenigsten davon habe ich wirklich freiwillig gelesen, einige waren wirklich gut.

Was man in Büchern für sich entdecken kann – und was uns heutzutage leider abgeht – ist der Zauber von Worten. Jeder weiß, dass er einen Anderen tief verletzen kann, indem er die passenden Worte verwendet. Aber nur wenige versuchen, das Schöne an der Sprache zu entdecken. Geschichten erzählen zu können, ist eine großartige Sache. Ich kann manchmal gar nicht verstehen, wie sich jemand mit seinem Alltag zufrieden geben kann, wenn er doch abends für eine Stunde in ein anderes Leben abtauchen könnte. Nachvollziehen, was jemand anderes denkt, sieht, hört, fühlt. Mir würde ohne meine Bücher etwas sehr wichtiges fehlen.

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