[Literatur] Lev Ac Rosen: Die Erfindung der Violet Adams

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Violet Adams interessiert sich für die Wissenschaften. Vor allem die Mechanik hat es ihr angetan und hier gilt sie mit 17 Jahren bereits als Genie. Sie erfindet die tollfühnsten Gegenstände und Maschinen. Ihr größter Traum ist es, an der Illyria Universität in London die Wissenschaften zu studieren. Sie hat nur ein Problem: Sie ist eine Frau, und als solche wird von ihr erwartet, eine Dame zu sein, hübsch auszusehen und auf keinen Fall kann sie sich Hoffnungen machen, an dieser rein für Männer geschaffenen Institution angenommen zu werden.
Also fasst Violet einen tollkühnen Plan: Sie will sich als ihren Zwillingsbruder Ashton ausgeben und ein Jahr lang in Illyria studieren, um sich mit einer grandiosen Erfindung zur Ausstellung am Ende des Schuljahres als Frau zu enttarnen und so ein Zeichen zu setzen.
Natürlich bedeutet das für die pfiffige Violet allerhand Schwierigkeiten…

Kritik
Grundsätzlich lässt mich dieser Roman etwas zwiegespalten, aber doch zufrieden zurück. Lev Rosen entwirft ganz zauberhafte, sehr sympathische (und teilweise auch fantastisch unsympathische) Charaktere, die in diesem Buch zu begleiten wirklich Freude bereitet.
Die Hauptfigur Violet ist eine starke Persönlichkeit. Sie weiß, was sie will und das ist die Mechanik! Sie möchte ihre Genialität nicht kleinreden, nur weil sie eine Frau ist. Aus diesem Grund hat der Roman auch eine subtile, sehr ansprechende feministische Note, jedoch ohne die Männer jemals negativ darzustellen.
Auch ihr Zwillingsbruder Ashton und ihr bester Freund Jack (der ebenfalls an Illyria studiert) sind wunderbar ausgearbeitet. Eine große Besonderheit dieses Buches ist aber sicherlich, dass sich Lev Rosen auch die Mühe gemacht hat, alle Nebenfiguren sehr individuell darzustellen, so dass man sich mit jeder Figur des Buches irgendwie verbunden fühlt.

Besonders überraschend war für mich die gewählte Erzählform. Die Geschichte wird von einem auktorialen – also allwissenden – Erzähler dargestellt, der sich jederzeit in alle Figuren eindenken kann. Dies kommt heutzutage nur noch selten in der Unterhaltungsliteratur vor und sorgt dafür, dass man im ersten Moment stutzt. Doch mit Fortlauf der Geschichte empfand ich es als sehr gewinnbringend, dass sie nicht nur aus einer Perspektive erzählt wird.
Der Roman lässt sich flüssig lesen und gerade die Erfindungen, die hier dargestellt werden sind so fantastisch (nahezu unrealistisch), dass es ein richtiges Vergnügen bereitet, den Schülern von Illyria bei ihren Experimenten zuzusehen. Nur als kleine Kostprobe: Jack gibt einem Hasen das Stimmwerk eines Papageis, worauf dieser permanent höcht unflätige Sprüche loslässt. Teilweise empfand ich die Experimente und Erfindungen auch mal als fragwürdig, aber da dies ja ein Roman fern der Realität ist, war das verzeihlich.

Nun zum Manko des Buches: Lev Rosen ist sicher ein guter Autor, doch er übertreibt es teilweise mit den Ausschweifungen. Jede noch so kleine Nebenfigur wird irgendwann näher vorgestellt, was unnötig ist. Die Handlung selbst verläuft schleppend, bis es zum Finale kommt, das dann wirklich sehr spannend ist. Allein der Handlung wegen hätte ich das Buch auch abbrechen können (hier wäre mehr Tempo einfach wünschenswert gewesen), es waren wirklich die Charaktere, die mich bei der Stange gehalten haben. 100 Seiten weniger hätten den Roman perfekt gemacht.

Außergewöhnlicher Roman aus dem Steampunk-Universum, dessen Handlung zwar schleppend verläuft, dessen Figuren aber bezaubernd und fantastisch sind. Durchaus zu empfehlen.
8/10 Punkte

Erschienen bei Egmont INK, März 2012
Originaltitel: All Men of Genius
Hardcover: 19,99 Euro
E-Book: 18,99 Euro
Weitere Infos findet ihr hier: http://egmont-ink.de/

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