[Literatur] I want it that way von Ann Aguirre

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Nadia zieht mit ihrer besten Freundin und zwei Freunden in eine WG. Da sie alle Studenten sind, ist das eine bequeme Lösung, auch wenn in dem Haus sonst keine Studenten leben. Direkt am Tag des Einzugs lernen sie den mürrischen Nachbarn Ty kennen, der zwar auch noch relativ jung und wirklich gutaussehend ist, aber auch bereits Vater eines kleinen Jungen und zudem alles andere als charmant.
Trotzdem ist Nadia fasziniert von ihm und die beiden lernen sich langsam besser kennen. Doch sie merken schnell, dass ihre Leben sehr unterschiedlich sind…

Kritik
Schon ewig wollte ich mal etwas von Ann Aguirre lesen und habe mir trotzdem nie die Zeit für ihre (angeblich tollen) Sci-Fi-Romane genommen. Als nun eines ihrer New Adult-Bücher auf deutsch erschien, wollte ich es unbedingt lesen. Der Plot klingt sehr interessant: Unbedarfte Studentin verliebt sich in den mürrischen, aber heißen Nachbarn, der nur wenige Jahre älter ist als sie, aber an einem ganz anderen Punkt seines Lebens steht. Normalerweise schaffen es gute New Adult-Bücher, aus einem relativ simplen Plot richtig gute Geschichten zu machen. Leider fehlte mir hier jedoch einiges, um das auch von Aguirres Story behaupten zu können.

Nadia ist eine Studentin, die durchaus hart arbeitet, um ihr Studium zu finanzieren. Sie hat klare Vorstellungen von ihrer Zukunft im Bereich der Pädagogik und ist fleißig. Doch gerade im Umgang mit Ty, der sehr viel Verantwortung trägt, kommt sie einem mehr als einmal regelrecht naiv und weltfremd vor. Es ist, als suche sie nach einer netten Collegebeziehung, die gern irgendwann mal etwas Festes werden darf, während Ty eigentlich gar keine Beziehung sucht, weil er sowieso schon genug zu tun hat.
Gerade auch die Entwicklung seiner Figur hat mich enttäuscht. Es scheint, als hätte die Autorin über ihren Fantasiemann geschrieben und nicht versucht, ihn realistisch darzustellen. Ty ist ziemlich schnell mit tiefschürfenden Liebesbekundungen bei der Hand, die er aber dann (um den Leser bei der Stange zu halten) wieder relativiert, weil er ja eigentlich keine Zeit für eine Beziehung hat und Nadia diese auch nicht aufbürden will.

Das Buch lässt sich eigentlich schön weg lesen, aber mir war es dann doch eine Portion zu viel Schmalz, muss ich gestehen. Ich weiß noch nicht, ob ich den zweiten Band „As long as you love me“ tatsächlich lesen möchte, in dem es um Nadias beste Freundin Lauren geht. Da die Nebenfiguren wirklich gut ausgearbeitet und sympathisch waren, lohnt sich vielleicht ein Blick. Und falls es jemandem noch nicht aufgefallen ist: Die Autorin entlehnt ihre Buchtitel dieser Serie aus Songs der Backstreet Boys.
8/10 Punkte

Erschienen bei Mira Taschenbuch, August 2015
Originaltitel: I Want It That Way
352 Seiten
Taschenbuch 9,99 Euro
E-Book: 9,99 Euro
Weitere Infos findet ihr hier: http://www.mira-taschenbuch.de/

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[Literatur] Bis du wieder atmen kannst & Solange du bleibst von Jessica Winter

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Julia ist an der Highschool eine Außenseiterin. Nur ihre beste Freundin steht ihr hier wirklich nahe, alle anderen provozieren sie höchstens, um ihr freches Mundwerk zu hören, denn sie hat immer eine passende Erwiderung parat. Was wirklich in ihrem Leben los ist, weiß niemand.
Jeremy kommt aus einer guten Familie und spielt Football, gehört also zu den beliebten Schülern. Er interessiert sich herzlich wenig für Julia, außer wenn er sich mit ihr kabbeln kann. Doch das ändert sich an dem Tag, an dem er zufällig in die Umkleide kommt, als sie sich für den Sportunterricht umzieht. Was er dort sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren und er ist völlig verwirrt. Er weiß nur eins: Er muss etwas unternehmen…

3D-Cover_Sdb_NEUKritik
Jessica Winter veröffentlicht als Selfpublisherin, was grundsätzlich heißt, dass man Glück oder Pech haben kann, wenn man zu einem solchen Buch greift. Die überaus positiven Rezensionen, die ich zu diesen beiden Büchern über Julia und Jeremy gelesen habe, waren aber alle begeistert und so beschloss ich, die Geschichte auch einmal auszuprobieren.
Es kommt ja selten vor, dass ich ein Buch erst einmal sacken lassen muss, bevor ich darüber schreiben kann. Das letzte Mal war das glaube ich bei „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes der Fall. Und von der Qualität der Geschichte her würde ich Jessica Winter auch damit gleichsetzen.

Zunächst beginnt das Buch wie eine typische Teenieromanze. Sie ist die Außenseiterin, er der Star der Highschool, beide 17 Jahre alt. Hat man schon etliche Male so gesehen, lese ich aber trotzdem sehr gern. Doch schon recht früh bekommt die Geschichte eine andere Qualität, als häusliche Gewalt ins Spiel kommt. Ich will hier eigentlich nicht zu viel verraten, doch wer bei diesem Thema empfindlich ist, sollte doch wissen, worauf er sich einlässt. Jessica Winter beschreibt diesen Aspekt der Geschichte schonungslos und ehrlich. Man hat das Gefühl, sie zieht dem schönen Schein der Vorstadt die Haut ab, bis nur noch das rohe Fleisch übrig bleibt. Und das ist dann die Realität, die sich hinter vielen Haustüren abspielt, vor der wir aber sonst gut die Augen verschließen können. Obwohl ich so etwas eigentlich sehr beklemmend finde, wurde es hier doch auf eine Art erzählt, dass man es aushalten kann, vor allem, weil Julia eine sehr starke Persönlichkeit hat. Sie hatte die Wahl, zu zerbrechen oder eben nicht und sie hat sich dagegen entschieden.

Jeremy entspricht da schon eher dem Stereotyp, das man kennt. Er ist tatsächlich so oberflächlich, wie man es sich vorstellt. Und ich empfand es als wirklich angenehm, dass er keine 180 Grad-Wende macht, nachdem er Julia im Umkleideraum gesehen hat, sondern dass er ab diesem Zeitpunkt eine nachvollziehbare Entwicklung durchläuft. Er braucht eine ganze Weile, um sich zu überlegen, ob er überhaupt etwas tun soll. Ob er sie darauf ansprechen soll. Im Grunde begleitet man ihn hier auf seinem steinigen Weg des Erwachsenwerdens.

Ich habe deshalb beide Bücher in diese Rezension hinein genommen, weil sie zusammen eine Geschichte erzählen. „Solange du bleibst“ schließt nahtlos an den ersten Band an. Ich werde hier auch nichts über die Handlung des zweiten Buches erzählen, außer dass es noch emotionaler ist als das erste. Letztendlich hat Jessica Winter extrem viel Dramatik in diese beiden Bücher gepackt und ich bin mit mir selbst nicht wirklich einig, ob es mir nicht ein wenig zu viel war. Aber das ändert nichts daran, dass mir die Geschichte regelrecht unter die Haut gegangen ist. Die Liebesgeschichte entwickelt sich sehr langsam und realistisch, es wird nichts überstürzt. Zeitweise – vor allem im ersten Buch – ist sie noch nicht einmal das zentrale Thema.

Wem „Ein ganzes halbes Jahr“ gefallen hat, der sollte unbedingt auch Jessica Winters Bücher lesen. Eine große, sehr ergreifende Geschichte.
10/10 Punkte

Erschienen im August/Oktober 2015
Taschenbuch je 11,90 Euro
E-Book je 2,99 Euro
Weitere Infos findet ihr hier: http://www.jessica-winter.com/index.php

[Literatur] Sophie Kinsella: Kein Kuss unter dieser Nummer

Kein Kuss unter dieser Nummer von Sophie KinsellaInhalt
Poppy Wyatt hat ein Problem: Sie wird bald heiraten und hat leider gerade ihren sündhaft teuren Verlobungsring (ein Familienerbstück ihres Zukünftigen) verloren. Zu allem Elend wird ihr auch noch ihr Handy gestohlen, und sie glaubt, Glück im Unglück zu haben, als sie in einem Mülleimer ein weggeworfenes Handy entdeckt. Kurzerhand ernennt sie es zu ihrem, damit sie weiter nach ihrem Ring suchen kann.
Allerdings gehört dieses Handy Sam Roxtons Assistentin, weshalb sie selbigen bald an der Strippe hat. Beide einigen sich darauf, dass sie das Gerät ein paar Tage behalten kann, wenn sie Sam seine Geschäftsmails weiterleitet.
Damit sind Irrungen und Wirrungen vorprogrammiert…

Kritik
Wer Sophie Kinsella kennt, kennt auch ihre Heldinnen. Poppy ist hierfür ein Paradebeispiel. Impulsiv, etwas tolpatschig, mit dem Herzen am rechten Fleck. Sie ist mit Magnus verlobt, einem Doktor aus einer Familie schlauer Köpfe, die Poppy das Gefühl geben, minderwertig zu sein, weil sie permanent mit Fremdwörtern um sich werfen, die selbst ich noch nie gehört habe.
In der stressigen Vorbereitungszeit ihrer Hochzeit verliert Poppy nicht nur ihren Ring, sondern schließt auch Bekanntschaft mit Sam Roxton, mit dem sie für einige Tage das Handy teilen möchte, damit man sie benachrichtigen kann, wenn ihr Ring auftaucht.

Sam erscheint zunächst als absolutes Gegenteil von Poppy. Wo sie offenherzig und impulsiv ist, zeigt er sich verschlossen und distanziert. Dennoch merkt man schon früh, dass die beiden trotz ihrer Gegensätze einen Draht zueinander haben.
Anders verhält es sich bei Magnus, Poppys Verlobtem. Für mich blieb er das ganze Buch über recht farblos und stereotyp. Dafür ist seine Familie einerseits sehr unterhaltsam, andererseits ärgert man sich auch häufig über sie.

Kinsella bemüht sich (mit Erfolg), auch den Nebenfiguren Leben einzuhauchen.
Die Geschichte ist ein wirklicher Pageturner. Bei keiner Autorin kann ich so herzlich lachen wie bei Sophie Kinsella. Auch wenn Poppy manches Mal als naiv dargestellt wird, weiß man doch jederzeit: Sie wird es schon packen und sich nicht unterbuttern lassen.
Wer Kinsella mag, wird dieses Buch lieben. Eine tolle Hauptfigur, eine tolle Geschichte, ein wunderschönes Happy End.
10/10 Punkte

Erschienen im Goldmann Verlag, November 2012
Originaltitel: I’ve got your number
Taschenbuch 9,99 Euro
E-Book 8,99 Euro
Weitere Infos findet ihr hier: http://www.randomhouse.de/