[Erziehung] Von guten und schlechten Kindergärten

Viele Eltern sind sich unsicher, wenn sie ihr Kind in Fremdbetreuung geben. Worauf muss ich achten? Wann darf ich Bedenken haben und wann übertreibe ich vielleicht? Diesen Fragen möchte ich heute mal auf den Grund gehen in der Hoffnung, dass mein Artikel vielleicht einigen Eltern weiter hilft.

Trotz der Tatsache, dass mein Sohn noch keine vier Jahre alt ist, haben wir schon einige Erfahrung mit Fremdbetreuung. Als er ein Jahr alt wurde, ging ich wieder arbeiten. Da es damals hier bei uns noch keinen Rechtsanspruch auf Kita-Plätze für Einjährige gab, suchten wir eine Tagesmutter. Ich habe zu dem Unterschied zwischen Kindergarten und Tagesmutter HIER bereits einen Bericht verfasst, den ihr gern nachlesen könnt, wenn euch dieser spezielle Aspekt besonders interessiert.
Zu Beginn hat er manchmal geweint, wenn ich ihn zur Tagesmutter gegeben habe. Er war ein Jahr alt und hat noch nicht wirklich verstanden, warum er jetzt woanders als zu Hause sein muss. Aber unsere Tagesmutter war wirklich lieb, hatte vier eigene Kinder und ich wusste, er ist da gut aufgehoben. Zwei Minuten, nachdem ich weg war, gab es keine Tränen mehr und er hat dann immer schön gespielt.
Wir hätten ihn gerne länger dort gelassen, jedoch haben Zweijährige bei uns tatsächlich einen Rechtsanspruch, und so kam er kurz vor seinem 2. Geburtstag in den Kindergarten. Dieser war ein ländlicher Kindergarten mit großem Außengelände. Da mein Sohn damals der kleinste Knirps dort war, waren die älteren Kinder total begeistert von ihm und haben ihm bei allem geholfen. Auch die Erzieherinnen haben ihn geliebt und waren sowohl herzlich als auch bestimmt. Mein Sohn ging wirklich gern in diesen Kindergarten und war manchmal ganz enttäuscht, wenn ich ihn abholen kam.

Vor einem Jahr sind wir umgezogen, so dass er nicht mehr denselben Kindergarten besuchen konnte und sich dort nach nur 6 Monaten wieder verabschieden musste. Natürlich war dieser Wechsel nicht optimal, Kinder brauchen Beständigkeit. Allerdings kommt man, wenn berufsbedingt ein Umzug ansteht, aus der Nummer auch nicht raus. Also wechselte er zu einer Kita in unserem neuen Wohnort, natürlich mit der Idee, dass er dort bis zum Schuleintritt bleibt.
Und in dieser Kita war er von Anfang an komisch. Obwohl wir eine Eingewöhnung gemacht haben, hat er viel geweint. Anfangs schoben wir das natürlich auf die Umstellung. Neues Zuhause, neuer Kindergarten… das ist schon viel für einen Zweijährigen. Außerdem waren die Bedingungen dort auch ganz anders als in der vorherigen Kita. Dort bestand die Krippengruppe aus 10 Kindern mit zwei Erzieherinnen. Hier waren es nun 25 Kinder mit zwei Erzieherinnen. Zudem war unser Sohn auch gewohnt, dass die Erzieherinnen im Schnitt Ende 20, Anfang 30 waren. Hier waren sie nun Anfang 40 bzw. 50. Das macht natürlich einen Unterschied, deshalb wollten wir dem Ganzen einfach Zeit geben.
Nach 6 Monaten hatte ich schon immer Bauchweh, wenn ich ihn in die Kita gebracht habe. Es gab nichts Konkretes, woran ich hätte festmachen können, was für ihn dort so schlimm ist. Aber über Monate hat er schon im Auto gesagt, dass er nicht in den Kindergarten will. Er weigerte sich, aus dem Auto auszusteigen. Er weinte, wenn ich ihn in der Gruppe abgab und klammerte sich an meinen Beinen fest. Die Erzieherinnen holten ihn dann ab und es schien wieder gut zu sein. Wenn ich ihn mittags abholte, rannte er mir entgegen und zog mich direkt aus der Gruppe heraus. Ich muss sagen, das hat mich erschreckt. So kannte ich meinen Sohn weder aus der Zeit bei der Tagesmutter, noch im ersten Kindergarten. Einige Kleinigkeiten sind aufgefallen. Wir baten darum, unserem Sohn, der dünne blonde Harre und eine leichte Erkältung hatte, im Frühherbst die Mütze anzuziehen, wenn sie raus gehen. Wenige Tage später war es nochmal schön sonnig und warm. Trotzdem wurde er aus reinem Trotz in Schal und Mütze gepackt und war komplett verschwitzt, als ich ihn abholte.
Um Weihnachten wagten wir den ernsten Versuch, trocken zu werden. Als er nach den Ferien in die Kita zurück ging, konnte er allein auf Toilette gehen, man musste ihn nur eben dorthin mitnehmen, weil er nicht immer Bescheid gesagt hat und da noch manchmal was daneben ging. Im Kindergarten wurde mir dann mitgeteilt, dass sie das nicht leisten könnten, wir sollen ihm bitte wieder eine Windel anziehen. Solche kleinen Dinge kamen zusammen. Nichts, weswegen man einen riesigen Aufstand machen müsste, aber doch Punkte, die mir nicht gefielen.
Und dann das Dilemma: Sollen wir einen erneuten Wechsel in Erwägung ziehen? Vielleicht liegen seine Probleme ja wirklich daran, dass er so schnell von einem in den anderen Kindergarten wechseln musste. Dann würden wir genau das Falsche machen. Außerdem war auch das Argument nicht zu verachten, dass er hier ja mit Kindern zusammen wäre, die später auch mit ihm in die Grundschule gehen. Also weiter abwarten, ob es besser wird.

Den letztendlichen Ausschlag für den Wechsel gab ein Ereignis, bei dem ich immer noch den Kopf schütteln muss. Mein Sohn bekam im Kindergarten vormittags Durchfall und man versuchte, mich auf dem Handy anzurufen. Ich habe an diesem Tag auf der Arbeit nicht regelmäßig auf mein Telefon schauen können und bin gleich hin gefahren, als ich den verpassten Anruf gesehen habe. Im Kindergarten angekommen wurde ich angefahren, mein Sohn habe Durchfall und ich hätte ihn sofort abholen müssen. Mittlerweile waren vier Stunden seit dem verpassten Anruf vergangen. Auf meine Frage hin, ob mein Mann und die Oma denn auch nicht zu erreichen gewesen wären, bekam ich zur Antwort: „Ich mach doch keinen Rundruf!“
Unnötig zu erwähnen, dass ich am selben Tag in der Kita des Nachbarortes angerufen und mich dort nach einem freien Platz erkundigt habe. Darüber hinaus habe ich auch ein sehr deutliches Gespräch mit den beiden Erzieherinnen der Gruppe geführt, aber nach diesem Erlebnis war ganz klar: Nein, ich kann diesen „Pädagoginnen“ mein Kind nicht problemlos anvertrauen.

Und so wechselte der arme Kerl nach 12 Monaten erneut den Kindergarten. Natürlich hatte ich auch hier Angst, dass es wieder so schlimm werden würde. Dass wir vielleicht einen Fehler machen und der erneute Wechsel unseren Zwerg komplett aus der Bahn wirft.
Zu Beginn war er in dem neuen Kindergarten auch noch recht reserviert. Da er in dem vorigen meistens alleine gespielt hat, war ich es gewöhnt, dass er sich in eine Ecke zurückzieht und sein eigenes Ding macht. Mit mulmigen Gefühl ließ ich ihn in der ersten Woche dort.
Mittlerweile ist er seit zwei Monaten in der neuen Kita und ich habe ein anderes Kind! Kein einziges Mal (!) hat er mich auf dem Weg zum Kindergarten gebeten, nicht dorthin zu fahren. Kein einziges Mal hat er sich geweigert, aus dem Auto auszusteigen. Letzte Woche ist das überhaupt Beste passiert. Ich kam um 14 Uhr in den Kindergarten, um ihn abzuholen, und er spielte gerade mit den anderen Kindern. Als ich gefragt habe, ob wir gehen können, sagte er: „Mama, ich will doch noch spielen. Warum kommst du immer so früh?“. Und damit die Gewissheit: Wir haben das Richtige gemacht.

Manchmal muss man einfach darauf vertrauen, dass man sein Kind kennt und einschätzen kann, wann es ihm nicht gut geht. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Pädagoginnen im Kindergarten gut ausgebildet und bemüht sind, sicher sein kann man sich nicht. Ich weiß immer noch nicht, was genau unserem Sohn in seinem letzten Kindergarten so zugesetzt hat. Aber ich kann sicher sagen, es lag an der Kita, denn nun ist er wieder so, wie damals in seinem ersten. Aufgeschlossen, fröhlich und er geht gerne hin.

Also, liebe Mamas und Papas, vertraut auf euer Gefühl. Rennt nicht sofort Türen ein, aber auf jeden Fall dann, wenn sich die Situation nicht bessert. Und ein bisschen Mut gehört eben auch dazu, ein Kind auf seinem Weg zu begleiten.

[Erziehung] Tagesmutter oder Kindergarten?

Ich bin eine Mama, die tatsächlich nach dem ersten Lebensjahr ihres Kindes wieder arbeiten ging. Dies lässt sich grundsätzlich gut mit meinem Beruf verbinden, denn ich kann mein Kind an den allermeisten Tagen um 14 Uhr abholen. Nachdem zum damaligen Zeitpunkt noch kein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Einjährige in meinem Bundesland bestand, mussten wir auf eine Tagesmutter ausweichen.

Ich war zunächst nicht begeistert von dieser Aussicht, denn ich stellte mir die Betreuung in einem „überwachten“ Rahmen einfach sicherer vor, als in einem Privathaushalt bei quasi Fremden. Weiterlesen

[Erziehung] Working Mum – Leben zwischen den Welten

Wenn man ein Kind bekommt, lässt man alles auf sich zukommen. Man macht sich keine Vorstellung, was konkret passieren wird, wenn das erste Jahr um ist und man ohne Elterngeld dasteht. Natürlich plant man vorher seinen Wiedereinstieg in den Job, die Verlängerung der Elternzeit oder mögliche Alternativen. Aber sind wir doch mal ehrlich: Man hat beim ersten Kind einfach keine Ahnung, was wirklich auf einen zukommt als arbeitende Mutter. Weiterlesen